• Sandra Vergien

Elly & Willi 💚

Das Foto ist bei unserer letzten Trainingsstunde entstanden.

Das wÀre 12 Wochen zuvor nicht denkbar gewesen!

Hund-Wiese-fotografie-natuerlichhund

Ein Kofferraum der auf ist. Boxen die geöffnet sind und dann auch noch beide. Zwei unangeleinte Hunde.... Und beide Hunde achten darauf, was das Frauchen sagt und stĂŒrzen nicht kopflos oder sehr lautstark raus ins Freie....

Ein normaler Alltag? Jetzt schon :)


12 Wochen vorher.


Eine neue Kundin rief mich an. Sie hÀtte zwei völlig unerzogene Hunde. Und das nicht, weil sie irgendwie falsch trainiert hÀtten - nein - sie sagte ganz frei raus wie es ist, sie und ihr Mann haben schlichtweg nichts gemacht - gar nichts. Sie hatten schon immer Hunde, gerne auch immer Dackel und Terrier und immer hatte es funktioniert. Bis Willi kam. Willi war anders als die anderen. Und vielleicht hat man bei Willi einfach wirklich gar nichts gemacht an Erziehung. Und weil ein unerzogener Hund nicht reicht und einen extrem im Alltag fordert, holten sie sich nach ca. zwei Jahren eine Dackelwelpin hinzu. JA! Ich hatte echt viele Fragezeichen im Kopf :D 1. Dackel und Terrier? 2. Einer ist eine Katastrophe und dann einen Welpen dazu? 3. Eigentlich auch Zeitmangel?

Puh. Ich wollte jedoch keines Wegs verurteilen. Ich wollte verstehen und vor allem helfen. Und fand es ungemein sympathisch, dass die Dame am Telefon so herzlich und erfrischend ehrlich war, viel lachte und ich wirklich ihren Willen gemerkt hatte, etwas verÀndern zu wollen.

So schickte ich ihr den Anamnesebogen zu und las, dass sie die "Probleme" der Hunde beim Kennenlernen erzÀhlen wird, da es nicht, kurz zu erklÀren sei.

Aiaiaia. Ok. Gespannt kam ich bei der Familie an. Mich begrĂŒĂŸten zwei sehr distanzlose ĂŒberdrehte Hunde, die mich beide ansprangen, klĂ€fften, jaulten und gar nicht zur Ruhe kamen. Wir setzten uns hin und es wurde versucht, die Hunde etwas zu beruhigen, was bei Elly der Dackedame etwas besser gelang. Willi hingegen brauchte etwas lĂ€nger, doch auch er fand dann zumindest ein wenig Ruhe.

Wir besprachen den Bogen und beide erzÀhlten mir, was nicht gut lÀuft und was die Ziele des Trainings sein sollten.

Beide zerren an der Leine, ob kurze Leine, Schlenderleine oder Schleppleine - immer Chaos und kein Halten. Die BegrĂŒĂŸungssituation habe ich geschildert. Zudem hauen beide im Freilauf gerne mal ab. Willi rastet völlig aus, wenn sein Frauchen putzen möchte. Eine Hysterie bricht bei ihm aus, die kaum zu fassen ist. Sie muss nur die Putzlappen oder den Staubsauger rausholen und zack ist Willi im Durchdreh-Modus. Es werden an der Leine Passanten angeklĂ€fft, genauso andere Hunde, er will hinter Autos klĂ€ffend hinterher hetzen und eigentlich allem was sich schnell bewegt. Sind sie drin und die MĂŒllabfuhr oder ein LKW fĂ€hrt vorbei, das Gleiche in der Wohnung. Im BĂŒro ging die AufzĂ€hlung weiter und generell wird immer unkontrolliert aus TĂŒren rausgerannt, sobald sie sich öffnen. Hilflose Halter, die nur noch Management betrieben und wie soll ich es sagen, irgendwie "Sklaven" ihrer Hunde geworden sind.

Ich fragte auch, was denn gut lĂ€uft. Oder einfacher, was sie an ihren Hunden mögen. Da waren sie sich einig, es sind super Hunde, die liebevoll sind, die willig sind, zu lernen. Ja, das konnte ich unterschreiben. Man merkte, dass es "eigentlich" ganz wundervolle Hunde sind. Vor allem Willi tat mir leid. Sein Körper war so extrem angespannt, er wusste nicht, wohin mit sich und war gefĂŒhlt mit all den Aufgaben, von denen er dachte, sie zu haben, ĂŒberfordert. Und gleichzeitig auch unterfordert, da er ein schlaues Kerlchen ist und gerne etwas lernt :)


Ich fing langsam an und besprach die ersten Schritte. Unter anderem sollte der Staubsauger Tag und Nacht sichtbar sein und ab und an mal den Ort wechseln.

Das Foto bekam ich nach ein paar Tagen :D

Willi freundete sich langsam mit dem Staubsauger an.

Es wurden ihm ein paar Signale beigebracht. Es gab SchnĂŒffelspiele fĂŒr die Impulskontrolle und die kognitive Auslastung. Ruhe wurde belohnt. Und es wurde ihm Sicherheit gegeben und klar gesagt, was seine Aufgabe ist und was eben nicht. MissverstĂ€ndnisse wurden aus dem Weg gerĂ€umt und durch etwas Distanz durfte echte NĂ€he wachsen. Willi hörte vermehrt zu und ich bekam weitere Ruhe-Bilder, die die Halterin immer staunen ließen.

Und hier der Text zum Bild: "Ich bin gerade megastolz 😊 ich putze das Bad mit den besagten gelben TĂŒchern und die TĂŒr steht auf, von draußen sind GerĂ€usche zu hören und Willi liegt entspannt und schlĂ€ft 🙏 wie geil ist das denn!"

Das rechte Bild ist aus dem BĂŒro. Das Fenster war auf und Bauarbeiten fanden statt. FrĂŒher undenkbar gewesen.

Nach diesen Erfolgen ging es an die LeinenfĂŒhrung. Das ĂŒbten wir mit beiden Hunden getrennt voneinander. Der RĂŒckruf wurde geĂŒbt. Ich baute KooperationsĂŒbungen ein, Impulstraining stand ganz oben auf der Liste und und und.


Und was kann ich abschließend sagen? Alles war ein voller Erfolg. Selbst ich hatte nicht erwartet, dass wir tatsĂ€chlich so schnelle Erfolge erzielen. Wir waren jede Woche erstaunt, was fĂŒr Fortschritte zusehen waren. Mit Liebe, Geduld, VerstĂ€ndnis, Klarheit und Ernsthaftigkeit haben wir es geschafft, vor allem Willi zu einem souverĂ€nen entspannten Hund zu erziehen. Ich bin unfassbar stolz auf die 4!!! Sie haben alles so großartig umgesetzt. Der Wille ernsthaft was zu verĂ€ndern und wieder gut zu machen, der beim ersten Telefonat zu spĂŒren war, wurde 1:1 und noch besser in die Tat umgesetzt.

Yay!!! Was fĂŒr eine positive Entwicklung in solch einer kurzen Zeit.

Ich habe alle 4 in mein Herz geschlossen und freue mich riesig, dass sie mir vertraut haben und sie nun entspannt mit beiden Hunden leben können und wissen, was in welchen Situationen zu tun ist.


Danke fĂŒr diese Erfahrung und dass ich ein Teil eurer Geschichte sein durfte und sie teilen darf 💚

Eure Sandra


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